Herzlich willkommen in der Challenge.

An 5 Tagen geht es um die Körpersprache des Hundes bei Angst.

Die Emotion Angst hat viele Abstufungen in der Stärke und die würden aus der Sicht des Menschen vielleicht eher als ein Zeichen für Unsicherheit oder für unangenehme Gefühle gedeutet werden.

Natürlich könnte ich jetzt sämtliche Zeichen abgestuft aufführen und genau erklären, wie stark die Auswirkungen für die Psyche des Hundes sind.

Das würde aber den Rahmen für diese Challenge sprengen. Hier geht es nur darum, die Zeichen zu kennen und am Hund wahr zunehmen.

Daher zähle ich in der Challenge alle Zeichen für unangenehme Gefühle oder Unsicherheit zur Angst. Die Wirkung auf die Psyche ist im Endeffekt gleich.

Heute geht es um das von den Menschen meist missachteste Zeichen für Angst.

 

Das Ausweichen

Aufgabe für Tag 1

 

Ziel der Aufgabe

Ausweichen deines Hundes wahrnehmen ohne dies zu beurteilen

  1. Schau dir das Video an
  2. Beobachte deinen Hund heute nur darauf hin, ob er bei einer Aktion von dir zurückweicht (auch wenn es nur 2cm sind), den Kopf oder Blick abwendet. Merke dir diese Situationen.

Achte besonders auf Ausweichbewegungen, wenn

  • du ihn anleinen willst
  • du ihm das Geschirr oder Halsband anziehen willst
  • du ihn bürsten oder andere Maßnahmen der Körperpflege machen willst
  • du ihn streicheln willst

Wenn es dir schwerfällt, alle Reaktionen deines Hundes zu sehen, mach ein Video davon..

 

Das Ausweichen dient mindestens der Erhaltung der Distanz. Oft genug auch der Vergrößerung der Distanz.

Im Video siehst du meinen Odin. Er zeigt gleich 2 verschiedene Ausweichbewegungen. Er nimmt die Ohren nach hinten, weil ich seine Individualdistanz unterschreite und er sie damit wieder vergrößern kann. Im Video weicht er zusätzlich mit dem Kopf nach hinten aus, weil die Bewegung der Ohren nicht ausgereicht hat. Dieses Video hab ich extra gemacht um dir das Ausweichen zu zeigen. Normalerweise nähere ich mich ihm weniger bedrohend.

Warum macht der Hund das?

Eine Ursache ist die Individualdistanz des Hundes. Jeder Hund benötigt in jedem Moment eine bestimmte Distanz (Abstand) zu anderen Lebewesen, um sich wohl zu fühlen. Diese Individualdistanz ist zum großen Teil genetisch vorgegeben. Der andere Teil ist das Vertrauen zum anderen Lebewesen. Beide Zusammen bestimmen den „Wohlfühlabstand“ zweier Lebewesen.

Es gibt somit Hunde, die normalerweise nur eine geringe Individualdistanz benötigen, denen aber das Vertrauen zum Besitzer fehlt. Bei ihnen kann der Wohlfühlabstand zum Besitzer größer sein, als bei Hunden, die zwar eine große Individualdistanz benötigen, aber großes Vertrauen zum Besitzer haben.

Wie groß der Wohlfühlabstand des einzelnen Hundes ist, kann man an den Ausweichbewegungen des Hundes ganz deutlich erkennen.

Eine weitere Ursache ist die Angst vor Massnahmen, welche wir an dem Hund vornehmen.

Das können Dinge sein, die dein Hund noch nicht kennt (unbekanntes macht oft Angst) und vor allem Dinge, mit denen dein Hund schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. 

Eine weitere Ursache ist unsere Körpersprache.

Alles Direkte wird vom Hund erstmal als bedrohlich eingestuft. Direkter starrer Blick, direkte geradlinige Annährung usw.

Um solche „Drohungen“ abzuschwächen, gibt es unter sozialen Lebewesen Beschwichtigungssignale. 

Das sieht man sehr gut bei Hunden, die sich sehr gut kennen. Hunde, die sich nicht kennen, laufen in einem Bogen aufeinander zu. Hunde, die sich gut kennen, laufen auch direkt aufeinander zu. Allerdings senden sie, je nach Reaktion des anderen Hundes, Beschwichtigungssignale. 

Wir können nicht so gut mit Hunden kommunizieren, so dass unser Verhalten von Hunden sehr grobmotorisch bis gefährlich eingestuft werden würde, wenn sie das könnten.  

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